Warum essen wir mehr Süßes, wenn es kalt wird? 4 Dinge, die du dagegen tun kannst

Warum_essen_wir_mehr_Suesses_wenn_es_kalt_ist

Kaum wird es draußen kälter, kommt die Lust auf heiße Schokolade, Kekse und Glühwein… Aber warum ist das so? Ist es nur reine Gewohnheit oder gibt es körperliche Ursachen, wenn wir in der kalten Zeit mehr Süßes essen? Und vor allem: kann man etwas dagegen tun?

Die Tage werden kürzer, es wird immer früher dunkel und die Weihnachtszeit “droht”. Da habe ich mir gedacht, es wäre der ideale Zeitpunkt darüber zu reden, wie man den “Winterspeck” eventuell vermeiden kann.
Bei der Faustformel landen ja meistens Menschen, die schon viele Diäten probiert haben und jetzt einfach ein entspanntes Verhältnis zu einer gesunden Ernährung haben möchten. Genau auf diese Menschen haben wir uns spezialisiert und denen helfen wir seit über 10 Jahren. Zu einem entspannten Verhältnis gehören natürlich auch Feiertage – aber wie macht man das, dass man trotzdem nicht zunimmt – vor allem, wenn man in der kalten Jahreszeit viel mehr Lust auf Süßes hat?

Es gibt verschiedene Theorien, was sich in unserem Körper abspielt, wenn die Tage kürzer werden und es draußen immer kälter wird:

1. “Winterspeck”-Theorie

Unser Körper verbraucht wesentlich mehr Energie, wenn er Kälte ausgesetzt ist. “Vor Kälte zittern” verbraucht ziemlich viele Kalorien. Sobald es also draußen kälter wird, sucht unser Körper automatisch und ganz selbstverständlich nach “mehr Energie” – und die steckt besonders viel in Zucker und Fett. Weil wir außerdem noch für die “Steinzeit” gebaut sind und damals Nahrungsmittel mit viel Fett und/oder Zucker eher schwierig zu finden waren, ist unser Gehirn besonders darauf programmiert, Fettes und Süßes zu suchen und zu mögen.
Das Problem: es ist zwar draußen kälter, aber nicht in unseren gemütlichen, gut geheizten Wohnzimmern – nicht mal in der überheizten U-Bahn wird uns kalt. Außer, du arbeitest im Freien oder machst in deiner Freizeit viele Touren bei Tiefsttemperaturen im Freien rechtfertigt das also leider noch nicht die Weihnachtskekse….

2. “Licht”-Theorie

Einer der wichtigsten Botenstoffe im Gehirn, der uns zufrieden und glücklich sein lässt, ist das Serotonin. Serotonin wird im Körper selber hergestellt und zwar aus Tryptophan, einer Aminosäure, die in vielen eiweißreichen Lebensmitteln vorkommt. Serotonin wird aber auch vermehrt produziert, wenn der Körper Licht, vor allem Sonnenlicht ausgesetzt ist. Auch Sport erhöht die Serotoninproduktion.
Und dann kommt der Winter….. die Tage werden kürzer und wir sind automatisch weniger Sonnenlicht ausgesetzt. Manche von uns bekommen wochenlang kein Tageslicht auf die Haut, weil wir in der Früh ins Büro gehen, wenn es noch dämmrig ist und erst wieder herauskommen, wenn es schon wieder dunkel ist. Die meisten von uns machen damit auch automatisch weniger Sport.
Aber der Körper weiß sich zu helfen! Serotonin wird nämlich auch viel um den Darm herum produziert. Und wenn wir etwas Süßes essen, dann hilft der Zucker, dass das vorhandene Serotonin vermehrt durch die Blut-Hirn-Schranke “geschoben” wird und wir uns kurzfristig besser fühlen.
Das Problem dabei: wir haben deswegen nicht mehr Serotonin im Körper, sondern wir haben nur das, was vorhanden war, ins Gehirn “verschoben” – aber kurz danach wird der Spiegel daraufhin noch mehr absinken und wir fühlen uns noch schlechter. Das ist also keine langfristige Lösung – aber erklärt, warum wir uns kurz wesentlich besser fühlen, wenn wir etwas Süßes essen (und warum wir einige Stunden später noch schlechter gelaunt sind….).

3. “Kultur”-Theorie:

Die kalte Jahreszeit hat viele Feiertage, die sich ums Essen drehen. Oder zumindest scheint es so – oder wir nützen es einfach schamlos aus (man unternimmt ja eh weniger, weil es draußen so dunkel ist). Wir geben uns ja nicht nur mit den traditionellen Feiertagen wie Nikolaus, Weihnachten und Silvester zufrieden, sondern fangen inzwischen Ende Oktober mit Halloween an. Dann geht es mit den Christkindlmärkten weiter bis Weihnachten – oder gleich bis ins neue Jahr.
Diese Theorie besagt, dass wir einfach deswegen mehr Süßes essen, weil wir mehr Gelegenheit dazu haben. Und wenn man sich die Geschäfte so ansieht, ist da schon was dran – überall stehen jetzt schon die ersten Lebkuchen und Weihnachtskekse herum.
Aber egal, woran es nun liegen mag – was kann man dagegen tun?
Es gibt zum Glück EINIGES, was man tun kann:

1. Mehr Licht:

Achte darauf, dass du wenn irgendwie möglich, raus an die frische Luft kommst. Tageslicht auf der Haut kann nicht nur die Stimmung aufhellen, sondern auch den Tag-Nacht-Rhythmus normalisieren. Wenn du es während des Tages kaum schaffst, dass du raus kommst, weil es dein Tagesablauf einfach nicht erlaubt, dann überlege dir vielleicht, ob du dir eine Tageslichtlampe zulegst (gibt es im Baumarkt – aber es gibt auch echte Lichttherapiegeräte). Aber Achtung: nicht nach 18 Uhr verwenden! Denn das stoppt die Produktion von Melatonin und kann deinen Schlaf stören.

2. Mehr Tryptophan essen:

Die Produktion von Serotonin braucht Tryptophan und Studien zeigen, dass eine erhöhte Zufuhr von Tryptophan auch den Serotonin-Spiegel anheben kann.
Tryptophan ist eine Aminosäure und damit Bestandteil von Eiweiß. Besonders viel Tryptophan ist zB in Gans, Ente, Wild (Hirsch, Fasan, Kaninchen), Truthahn, Huhn, Schweinefleisch, Fisch (Heilbutt, Barsch, Thunfisch…), Krabben und Shrimps, aber auch Soja enthalten.

3. Mehr Bewegung:

Auch und gerade, wenn man im Winter weniger Lust hat, sich zu bewegen. Sport ist stimmungsaufhellend (fördert die Produktion von Serotonin!) und hilft das Hunger/Sättigungsgefühl zu regulieren. Noch besser, wenn die Bewegung in der frischen Luft stattfindet – aber, egal wie, Hauptsache Bewegung!

4. Wärme im Körper erhalten:

Wenn der Körper versucht, sich über Zucker und Fett mehr wärmende Energie zuzuführen, dann sollte man dem vorbeugen können, indem man dafür sorgt, dass die Nahrung “wärmend” ist.
Nach jedem Essen produziert der Körper Wärme, die sogenannte postprandiale Thermogenese. Postprandial heißt “nach dem Essen”, Thermo = Hitze und Genese = Produktion – mit anderen Worten: die “nach dem Essen Hitzeproduktion”. Aber wie viel Wärme dabei produziert wird, hängt davon ab, was wir essen. Vor allem, wie lange diese erhöhte Wärmeproduktion anhält, hat direkt mit dem zu tun, was wir essen. Mahlzeiten mit mehr Eiweiß aber auch mit mehr Fett sind hier sehr hilfreich. Aber Achtung: immer, wenn man viel Fett und gleichzeitig viele Kohlenhydrate isst, wird dieses Fett eher gespeichert. Man kann also nicht einfach eine fettere Sauce über einen Berg Nudeln schütten – da wird das Fett dann eher gespeichert, weil die Stärke in den Nudeln im Körper sofort in Zucker umgewandelt wird. Besser ist es da, auf Kohlenhydrate zurück zu greifen, die im Körper eher langsam umgewandelt werden und die viele Ballaststoffe enthalten, wie zB Haferflocken, Linsen, Bohnen, Kürbis,  u.ä. – Dinge, die zum Glück auch ganz wunderbar in die Jahreszeit passen!

Wenn du eine Mahlzeit nach der Faustformel isst, dann hast du automatisch ausreichend Eiweiß – und wenn du jetzt auch noch ein bisschen darauf achtest, dass immer auch ein wenig Olivenöl, Butter, Sahne, Kokosöl oder ähnliches dabei ist, dann hast du schon viel getan, damit die “Hitze” aus der Mahlzeit länger anhalten kann. Die wichtigsten Regeln der Faustformel kannst du dir übrigens hier in einem kostenlosen Poster zum Ausdrucken herunterladen.
Neben mehr Eiweiß (liefert auch mehr Tryptophan für Serotonin!) und mehr Fett kann man noch andere Dinge tun, damit Mahlzeiten “wärmender” sind.

  • Rohkost vermeiden und eher gedämpfte, geschmorte oder anders gegartes Gemüse essen. Rohkost ist toll und sehr gesund, aber der Körper braucht mehr Energie, um sie zu verdauen, die Nährstoffe sind oft nicht so gut verfügbar und vor allem muss der Körper sie erst auf “Betriebstemperatur” bringen, also von “kühlschrankkalt” auf unsere Körpertemperatur – und dabei geht für uns Wärme verloren. Das Gleiche gilt natürlich auch für kalte Getränke.
  • Wärmende Gewürze: Ingwer, Zimt, Pfeffer, Chili gehören zu den “wärmenden” Gewürzen (wer schon mal nach einem scharfen Chili einen Schweißausbruch bekommen hat, weiß, wovon ich rede….). Im Winter kann es also hilfreich sein, mit diesen Gewürzen vermehrt zu würzen. Aber bleib weg von Pfefferminztee, der ist stark abkühlend, auch, wenn man ihn heiß trinkt.
  • Suppen, Eintöpfe, im Ofen Gebratenes – oder, wie das in der traditionellen chinesischen Medizin heißt: Nahrungsmittel “yangisieren”. Yin gilt als das abkühlende Prinzip der TCM, Yang als das erhitzende. Aber die TCM sagt, dass diese Dinge nicht absolut oder fix sind. Man kann die Wirkung von Lebensmitteln durch die Zubereitung noch “wärmender” oder “abkühlender” machen – wenn man sie “wärmender” macht, nennt man das eben “yangisieren”. Die Hitze, die man nach einer warmen Suppe im Körper spürt, ist ein schönes Beispiel dafür. Warme Suppen und Eintöpfe, im Ofen gebratenes Gemüse – alles Dinge, die uns “innerlich” schön wärmen und damit der Lust auf Süßes vorbeugen können.

Das sind schon mal die ersten Schritte, die du unternehmen kannst, um der Lust auf Süßes im Winter vorzubeugen.
Zusammengefasst heißt das:

  1. Raus an die frische Luft und Licht auf die Haut (evtl Tageslichtlampe).
  2. Sport!
  3. Eiweiß zu jeder Mahlzeit, vor allem auch Geflügel, Fisch, Krabben/Shrimps aber auch evtl Soja.
  4. Ein bisschen mehr Fett zu den Mahlzeiten, dafür bei den Kohlenhydraten maximal eine Faustgröße und eher “langsame” Kohlenhydrate, wie Linsen, Bohnen, Kürbis oder Haferflocken.
  5. Weniger Rohkost, dafür mehr Suppen, Eintöpfe und im Ofen Gebratenes
  6. Wärmende Gewürze wie Zimt, Ingwer, Pfeffer, etc. verwenden.

Wenn du das Gefühl hast, dass dich immer wieder und vor allem nicht nur im Winter der Heißhunger auf Süßes einholt und du ihn gerne endgültig mit einer einfachen Strategie loswerden möchtest, dann schaue dir doch mal unseren KursZuckerfrei in 7 Tagen an!  Denn mit der richtigen Ernährung ist die Lust auf Süßes kein Thema mehr! Hier kannst du dich über den Kurs Zuckerfrei in 7 Tagen genauer informieren!

Schreib uns doch auch in den Kommentaren, wenn du im Winter mehr Süßigkeiten als sonst isst! Was hast dir dabei geholfen – oder hast du die Monate einfach genossen und dich dann im Frühjahr um den “Winterspeck” gekümmert? Erzähl’s uns in den Kommentaren.

Quellen:
Simon N. Young, How to increase serotonin in the human brain without drugs, J Psychiatry Neurosci. 2007 Nov; 32(6): 394–399.

3 Kommentare zu „Warum essen wir mehr Süßes, wenn es kalt wird? 4 Dinge, die du dagegen tun kannst“

  1. Pingback: Community Tipps: Welche Strategien hast du, um in der kalten Jahreszeit nicht ständig in die "Zuckerfalle" zu tappen? - Faustformel System mit Sasha Walleczek

  2. Gabriele Lahde

    Für mich sehr interessanter Artikel. deshalb kann ich bei Kälte auch keine Gurken essen im Sommer aber schon.So will ich mal nach Salaten aus gekochten Zutaten in der Rezeptedatenbank suchen.
    Vielen Dank Gabi

  3. Breuer Michaela

    Hallo Sasha, ein sehr interessanter Beitrag, das erklärt mir einiges, warum ich im Sommer nichts süßes brauche und im Winter mich damit vollstopfe. Danke Michaela

Kommentar verfassen

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.