Wieso funktioniert das Faustformel System ohne Sport, obwohl man keine negative Energiebilanz erreicht?

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Die Frage besteht eigentlich aus 2 Teilen:
1) der Behauptung, dass man mit dem Faustformel System keine negative Energiebilanz erreicht
2) dass man zum Abnehmen keinen Sport braucht. Ich möchte die beiden Fragen getrennt beantworten:

Zu Teil 1)
Alle Studien zeigen, dass man nur abnimmt, wenn die „Energiebilanz“ stimmt, wenn man also weniger zu sich nimmt, als man verbrennt. Die Empfehlung der meisten Experten ist daraufhin, entweder einfach die Nahrung zu kürzen (damit weniger Kalorien konsumiert werden) oder mehr Sport zu machen (damit mehr Kalorien verbraucht werden), am besten beides. So einfach ist das Abnehmen also – und die Studien bestätigen das dann auch immer gleich: Menschen, die sich mehr bewegen und weniger Kalorien zu sich nehmen, sind dünner. Also wo ist der Fehler im System?  

Der Fehler liegt, meiner Meinung nach, darin, dass hier Ursache und Wirkung verwechselt werden. Ja, Menschen, die weniger (Kalorien) zu sich nehmen und mehr Bewegung machen, sind schlanker. Aber das ist das Ergebnis und nicht die Ursache. Die Frage ist nicht: wie viele Kalorien isst die durchschnittliche Französin (denn die ist dünner als die durchschnittliche Österreicherin), sondern: warum hört die Französin an diesem Punkt auf zu essen? Denn es ist ja nicht so, dass schlanke Menschen mitten in einer Mahlzeit sagen: so, jetzt ist Schluss, jetzt habe ich schon 682 Kalorien gegessen, sondern es gibt andere Gründe, warum sie aufhören zu essen. Zum Beispiel, weil die Mahlzeit ganz anders zusammen gestellt ist und daher schneller satt macht, weil sie vor dem Essen keinen Heißhunger hatten und daher nicht erst mal unkontrolliert in sich hinein gestopft haben, bevor sie überhaupt merken können, wann sie satt sind, weil sie vielleicht keine „Nachspeisenkultur“ haben und die Nachspeise nicht immer automatisch zu jeder Hauptmahlzeit dazu gehört, weil sie weniger gesüsste Getränke trinken (die wiederrum Heißhunger auslösen, was den Teufelskreis von vorne beginnen lässt) etc etc.   

Es kann viele Gründe geben, warum schlankere Menschen früher satt sind und/oder einfach insgesamt weniger Kalorien zu sich nehmen. Aber eines steht, meiner Meinung nach, fest: das liegt nicht daran, dass diese Menschen besonders gut über die Kalorienanzahl Bescheid wissen oder sich bei einer Mahlzeit in irgendeiner Form einschränken (denn hungrig vom Tisch aufzustehen ist nicht nur frustrierend, es ist auch kontraproduktiv, weil der Körper sofort beginnt, Fettreserven zu horten.)   

Ich weiß nicht, ob man beim Faustformel System insgesamt weniger Kalorien zu sich nimmt (ich gehe aber mal davon aus, das das der Fall ist), denn ich richte meine Methode nicht daran aus, wie viele Kalorien maximal drin sein sollen, sondern eben an ganz anderen Kriterien: durch das richtige Verhältnis von Eiweiß und Kohlenhydraten sorgen wir dafür, dass der Körper nicht nur alles bekommt, was er braucht, sondern dass die Mahlzeit auch schneller satt macht und Heißhunger vorgebeugt wird. Dadurch, dass wir öfter am Tag essen und bei jeder Mahlzeit ein wenig Eiweiß dabei haben, werden größere Insulinausschüttungen vermieden – denn Insulin stoppt nicht nur die Fettverbrennung sondern kann, wenn es den Blutzucker zu schnell absinken lässt, wiederrum zu Heißhungerattacken führen.   

Ich bin der festen Meinung, dass jeder Körper eigentlich schlank und fit sein will und automatisch versucht ins Gleichgewicht zu kommen, wenn er das bekommt, was er braucht und wir ihn nicht mit Heißhungerattacken aus dem Gleichgewicht bringen. Wenn wir uns richtig ernähren, hören wir also ganz automatisch am richtigen Punkt auf zu essen – aber dazu brauche ich keine Kalorien zu zählen, sondern es gibt eben völlig andere Kriterien, die dem zugrunde liegen.   

Zu Teil 2) Sport:
Ich glaube, dass Menschen nur dann langfristig wirklich gesund sind, wenn sie sich regelmäßig bewegen – denn dafür ist unser Körper gebaut. Aber ich finde den derzeitigen Fokus auf den Sport beim Abnehmen sehr frustrierend und kontraproduktiv. Man darf nicht vergessen, dass diejenigen, die Sport so stark empfehlen, meistens relativ fitte Menschen sind (das sind Sportwissenschafter und Trainer nun mal) und daher bereits Spaß am Sport haben. Aber die Menschen, mit denen ich arbeite, sind müde und erschöpft, versuchen (wieder einmal…) die Ernährung umzustellen und werden permanent vom schlechten Gewissen geplagt, weil sie nicht nur schon wieder beim Essen „gesündigt“ haben, sondern außerdem zu wenig Bewegung machen, um das alles wieder „abzuarbeiten“ – und Sport ist für sie entweder Qual oder überhaupt eine „Buße“ für begangene „Ernährungssünden“. Aber so findet man nicht den Spaß am Sport.

Fürs Abnehmen ist die Ernährung wichtiger als der Sport. (Um nicht zuzunehmen, ist Sport wichtig, aber beim Abnehmen spielt er keine so große Rolle….). Ich finde es daher zuerst einmal wichtig, dass man die Ernährung in den Griff bekommt, weil dann die Energie steigt und man dann automatisch mehr Lust daran hat, sich zu bewegen. (Ich weiß, dass man von Sport auch Energie bekommen kann, aber das stimmt nur für bereits fitte Menschen – die „Unfitten“ werden von Sport anfangs noch erschöpfter – aber woher sollen die die Energie nehmen, wenn sie vorher schon gefehlt hat?).   

Wie oben schon gesagt: Ich bin der festen Meinung, dass jeder Körper eigentlich schlank und fit sein will und automatisch versucht ins Gleichgewicht zu kommen, wenn er das bekommt, was er braucht – das gilt auch, wenn man keinen Sport macht.   

Es gäbe grundsätzlich 2 Ansätze für Sport: 1) „Sport ist wie Zähne putzen.“ Soll heißen: er muss mir keinen Spaß machen, aber ich mache ihn trotzdem (fast) jeden Tag – dafür braucht man aber anfangs Disziplin, um diese neue Gewohnheit (eben wie Zähne putzen) einzuführen – denn das täglich nur mit Disziplin zu schaffen, ohne dass es zu Gewohnheit wird, ist unglaublich schwer. So viel Disziplin habe ich zumindest nicht  – und die meisten Menschen, mit denen ich arbeite, auch nicht. (Die Sporttrainer vergessen immer, dass es für sie schon eine Gewohnheit ist, für andere aber erst eine werden muss. Deswegen haben wir auch einen gezielten Teil “Wie werde ich süchtig auf Sport” in unseren Programmen – das ist nämlich was anderes, als sich einfach regelmäßig zu “zwingen”). Oder 2): „Sport ist mein Hobby.“ Das ist dann eine Freizeitbeschäftigung, auf die ich mich nach einem langen Tag freue und wo ich es am Wochenende kaum erwarten kann, loszulegen. Ich bin eher ein Fan von Option 2, aber wenn Sport ein „Muss“ wird (um die Energiebilanz – siehe oben – ins Reine zu bringen) oder eine „Buße“ für die Ernährungssünde, die ich begangen habe, dann kann ich keinen Spaß entdecken.   

Also: ja, Sport ist wichtig, aber nicht so wichtig beim Abnehmen, wie alle einen immer glauben lassen wollen. Daher: bekomme  zuerst einmal die Ernährung in den Griff, denn dann hast überschüssige Energie (und schon das erste Erfolgserlebnis mit ein paar Kilo weniger) und damit auch Spaß am Sport. Sport soll keine Strafe sein.

8 Kommentare zu „Wieso funktioniert das Faustformel System ohne Sport, obwohl man keine negative Energiebilanz erreicht?“

  1. Renate Sommersguter

    Hallo Sasha, wann bist wieder im Fernsehen mit Kanditaten,war eine große Motivation für mich,habe bis jetzt 9 kg abgenommen,leider geht Sport bei mir nicht,meine Füße machen mir große Probleme,.,

  2. Franziska Haidbauer

    Hallo Sasha, endlich ein wahres Wort, ich kann mich auch nicht begeistern für Sport, auf Grund meiner Krankheit kann ich nur spazieren gehen, über jetzt arbeite ich vormittag wieder im Garten so lange es so schön ist aber mittags bin ich erledigt. Kannst du mir vielleicht sagen wie ich zuckerlos leben kann, ich weis nicht ob ich da auf alles verzichten muss und was ich essen darf. Ich sollte nämlich auch so wenig wie mœglich Fleisch und Wurst essen auf Grund meiner Nieren Krankheit. LG Franziska Haidbauer

  3. Bin auch froh, das ich den Faustformel zuckerfrei bei dir gebucht habe. Habe heute meinen zweiten Tag von zuckerfrei, gestern war ich etwas müde, aber heute hatte ich schon mehr Energie, der Zucker geht mir gar nicht ab. Super, das ich auf deine Seite gestoßen bin. Du machst das echt super, hab mir früher auch deine Sendungen angesehen.

  4. Renate Linni

    Endlich jemand der die Welt der Übergewichtigen versteht. Danke Sasha für Alles. Ich habe mich noch nie so gut aufgehoben gefühlt.Der beste und unkomplizierteste Weg für Wohlbefinden und mehr Energie. Glg Renate L

    1. Vielen Dank für deine netten Worte! Das ist auch genau das, was wir erreichen wollen – dass man einen entspannten Zugang zum Essen bekommt und trotzdem seine Ziele erreicht! Schön, dass du dabei bist! Liebe Grüße, Sasha

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