Ist Kokosöl wirklich so gut, wie alle sagen?

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Kokosöl oder Kokosfett. Was ist eigentlich der Unterschied? Ganz einfach: es gibt keinen! Kokosöl und Kokosfett sind genau das Gleiche, denn es kommt nur auf die Temperatur an. Wir nennen etwas ein Fett, wenn es bei Zimmertemperatur fest ist und ein Öl wenn es bei Zimmertemperatur flüssig ist. Weil es in seinen tropischen warmen Anbaugebieten flüssig ist, heißt es dort Kokosöl, ab einer Temperatur von weniger als 24°Grad wird es jedoch fest. Da es bei uns meistens kälter als 24 Grad ist, wurde es (bisher) immer Kokosfett genannt.

Das Kokosöl ist deswegen eigentlich ein alter Bekannter, den es schon ewig gibt  – auch bei uns in den Läden. Deine Tante oder Oma kauft Kokosfett vielleicht schon seit Jahrzehnten unter den Markennamen Palmin oder Ceres.
Aber ist “Kokosöl”, wie wir es jetzt zu kaufen bekommen, nicht was ganz anderes?

Äh, nein.

Ja, es gibt inzwischen Kokosfett in Bio-Qualität und “nativ” (also nicht raffiniert), aber sonst ist es grundsätzlich das Gleiche.
Gewonnen wird es aus dem zerkleinerten und getrockneten Fruchtfleisch der Kokosnuss, der so genannten “Kopra”. Kokosöl ist sehr hitzestabil und hält Temperaturen bis 210°C aus, daher eignet es sich zum Backen, Braten oder Frittieren. Leider hat es einen leichten Eigengeschmack, weshalb es passieren kann, dass Gemüse in Kokosfett gebraten anders schmeckt wie wir es gewohnt sind.

Und wie gesund ist es wirklich? Immer häufiger ist zu lesen, dass Kokosöl schlank macht und eine antibakterielle Wirkung hat. Stimmt das?

Kokosfett besteht zu 90% aus gesättigten Fettsäuren und zählt deswegen nach dem Faustformel System zu den Benzinfetten (mehr über die verschiedenen Fettarten, “Benzinfette” und “Motoröl” erfährst du in unserem Mini-Kurs zum Thema Fett). Aus diesem Grund stand es – wie alle gesättigten Fette –  lange in Verdacht das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen zu fördern (Heute weiß man, dass das nicht stimmt). Im Unterschied zu anderen “Benzinfetten”, wie Butter oder Schmalz, besteht Kokosfett allerdings zu über 50% aus den so genannten mittelkettigen Fettsäuren (Laurinsäure), denen sehr positive Eigenschaften zugeschrieben werden. Es gibt Studien, die zeigen, dass sich die Cholesterinwerte verbessern und man sogar abnehmen kann, wenn Kokosfett regelmäßig verwendet wird. Es gibt aber erstens nur wenige Studien dazu und zweitens bleibt Benzinfett eben Benzinfett. Der Körper verwendet es primär für Energie – und wer zu viel davon isst, wird es speichern. Kokosöl soll helfen, Parasiten im Darm zu bekämpfen, aber auch hier konnten wir nicht wirklich seriöse Studien finden – und wir sollten uns fragen, wie wichtig diese Eigenschaft für Mitteleuropäer wirklich ist.

Also doch alles nur Marketing?
Die Wunderwirkung die uns in der Werbungen in Bezug auf Kokosöl versprochen wird, ist wissenschaftlich nicht immer ausreichend belegt. Bei der Recherche zu diesem Beitrag ist uns aufgefallen, dass fast alle Artikel, die das Kokosöl mit seinen unzähligen positiven Eigenschaften anpreisen, dieses auch gleichzeitig auf ihrer Seite zum Verkauf anbieten…darüber sollte man auch mal nachdenken…

Nachhaltigkeits-Aspekt
Schauen wir uns das Thema auch noch aus Sicht der Nachhaltigkeit an. Wenn ich an Kokospalmen denke, dann verbinde ich dies mit langen weißen Stränden und tropischen Temperaturen. Schnell wird klar, Kokospalmen wachsen leider nicht in unseren  Breitengraden. Das bedeutet, dass die Kokosnüsse zu uns nach Europa importiert werden und so einen weiten Weg bis in unsere Küchen zurücklegen müssen. Im Gegensatz zum derzeit allseits beschimpften Palmöl hat Kokosöl auch noch einen viel geringeren Ertrag: ein Hektar Ölpalmen liefern nämlich 4 bis 6 Tonnen Öl, während ein Hektar Kokospalmen nur weniger als eine Tonne Öl liefert. Kokosöl braucht also wesentlich mehr Ressourcen.
Aber wieso muss es denn so exotisch sein? Warum greifen wir nicht auf Öle zurück, die bei uns hergestellt werden? Oliven-, Raps- und Walnussöl sind hochwertige pflanzliche Fette die in Mitteleuropa hergestellt werden. Auch Olivenöl kann nachweislich helfen den Cholesterinspiegel zu senken und Raps- und Walnussöl gehören zu den “Motorölen” und das heißt, sie senken nebenbei erwiesenermaßen das Herzinfarktrisiko und versorgen unseren Körper zusätzlich mit essentiellen (lebenswichtigen) Fetten. Das sind also echte “Wundermittel”.

Unser Fazit:

  • Kokosöl = Kokosfett
  • Kokos”öl” ist bei Zimmertemperatur fest und damit laut Faustformel System ein “Benzinfett”. Benzinfette müssen als Energie verbrannt werden, sonst speichern wir sie. Aus diesem Grund sollte man sparsam mit ihnen umgehen – aber sonst spricht nichts dagegen.
  • Es ist hoch erhitzbar und kann deshalb gut zum Kochen und Braten verwendet werden. Allerdings hat es einen leichten Eigengeschmack.
  • Einzelne Studien beschreiben positive Wirkungen auf Blutfettwerte und Gewicht, die Studienlage ist jedoch noch nicht ausreichend um wirklich erfolgversprechende Aussagen zu machen.
  • Oliven-, Raps- und Walnussöl sind hochwertige pflanzliche Fette, stammen aus Mitteleuropa, sind wesentlich günstiger als Kokosöl und somit definitiv die bessere Alternative – vor allem, was die Umwelt betrifft.
  • Wir leben in einer globalen Welt und es ist wunderbar, dass wir die Möglichkeit haben, auch mal Nahrungsmittel aus anderen Ländern und Kulturen zu essen. Deswegen verwenden wir Kokosfett oder Kokosmilch auch gerne hin und wieder in verschiedenen Rezepten. Aber wir würden es niemals als unser “Hauptfett” zum Kochen oder Braten verwenden oder es dafür empfehlen.

Verwirrt, welches Fett nun gut oder schlecht ist und wofür man es verwendet? Hol dir gleich kostenlos unseren übersichtlichen “Fettschummelzettel”, der gibt dir einen tollen Überblick und hilft dir bei jedem Öl gleich zu sehen, wofür man es verwendet – und ob es gut für dich ist. (BONUS-Tipp für alle Power Programm Teilnehmer: den Fettschummelzettel und die genauen Erklärungsvideos zum Thema Fett findest du im Fettmodul.)

21 Kommentare zu „Ist Kokosöl wirklich so gut, wie alle sagen?“

  1. Was ist eigentlich mit dem ungehärteten Palmfett, dass ist leider in sehr vielen Bio-Produkten (z.B. Müsli) enthalten. Spielt es eine Rolle ob gehärtet oder ungehärtetes Fett?

    1. Ja, das macht einen RIESIGEN Unterschied! Gehärtetes Fett bitte NIE, NIE, NIEMALS essen! Aber das ist auch ein wichtiger Punkt, werde ich bei Gelegenheit im Artikel ergänzen. Danke!

  2. Ich denke es gibt zur Zeit genug Studien über die positive Wirkung von Kokosöl wie z.b. hier: http://www.biokokosöl.de/studien/
    Es ist kein Wunder oder Heilmittel kann aber extrem unterstützende helfen. Daher finde ich solche Diskussionen wirklich überflüssig.
    Grüße
    Uli

    1. Ja und nein. Das ist der gleiche Unterschied wie bei kaltgepresstem Bio-Olivenöl und billigem chemisch extrahierten Olivenöl. Theoretisch das Gleiche, praktisch aber was GANZ anderes. Dazu kommt noch, dass industriell hergestelltes Kokosfett (wie zB Ceres) in einigen Fällen auch gehärtet wird. Das muss aber dann auf der Packung stehen – bei Ceres steht „Kokosfett und gehärtestes Kokosfett“ drauf. „Härten“ tut man normalweise Pflanzenöle, die auch im Kühlschrank flüssig bleiben, das ist also bei Kokosfett eigentlich nicht notwendig. Allerdings kann man nur ungesättigte Fettsäuren härten (davon hat Kokosfett nur 10%). Aber sobald Fette gehärtet werden, entstehen die sehr gefährlichen „Transfette“, die unser Körper nicht als gefährlich erkennt und dann überall im Körper einbaut, was großen Schaden anrichten kann. Finger weg von allen Dingen, die „(teilweise) gehärtete Fette“ enthalten.
      Wie auch bei allen anderen Fetten finden wir die Qualität des Fettes extrem wichtig – also möglichst bio, schonend verarbeitet und vollwertig. Ein „industriell“ hergestelltes Kokosfett nie so gut wie ein schonend verarbeitetes, kalt gepresstes – aber das gilt für alle Öle und Fett, nicht nur für Kokosfett. Danke für die Frage – ich werde das bei Gelegenheit oben im Artikel ergänzen.

  3. Wenn ich schon Kokosöl/fett verwende – ist denn das unraffinierte („native“) Kokosfett vorzuziehen? Oder ist es egal? Ein „Ceres“ o.ä. ist ja wesentlich billiger als die „neuen“ Premiumprodukte. Vom Gefühl her würde ich eher das unraffinierte verwenden.

  4. Hallo
    Ich befinde mich derzeit auf Kur und habe unter anderem auch Pflicht-Workshops zu besuchen. heute sprach eine Diätologin unter anderem über Öle. SIe meinte laut neuesten Erkenntnissen ist Kokosöl nach Schweineschmalz und Butterfett das drittschlechteste Öl welches wir konsumieren können. SOllen unbedingt die Finger davon lassen. AUch sollte man nach neuesten Studien nicht mehr als 3 Mahlzeiten pro Tag zu uns nehmen. 5 Mahlzeiten seine total überholt und erwiesenermaßen kontraproduktiv
    WIe nun?

    1. Ja, da gehen die Meinungen scheinbar auseinander 🙂 Hat sie „drittschlechtestes“ Öl auch noch irgendwie begründet? Denn es gibt ja die (sehr, SEHR) veraltete Meinung, dass gesättigte Fette schlecht für uns sind, weil sie Herz-Kreislauferkrankungen begünstigen. Das ist aber inzwischen wirklich schon lang widerlegter Unfug. Wenn man aber daran glaubt, dann wäre Kokosfett natürlich hoch auf der Liste der „bösen“ Fette 🙂
      Das mit der Mahlzeitenanzahl ist umstritten. Ich arbeite viel mit Menschen, die sehr viel Stress haben und für die ist es oft sehr nützlich, wenn sie ihre Flucht-und-Kampf-Reaktion dadurch unterbrechen, dass sie öfter mal was essen und den Blutzucker stabilisieren (und damit Heißhunger auf Süßes vorbeugen), indem sie bei längeren Abständen zwischen zwei Hauptmahlzeiten eine kleine Zwischenmahlzeit einlegen (zB eine kleine Handvoll Nüsse). Das ist aber individuell verschieden und das brauchen nicht alle. Ich stimme das immer auf die Bedürfnisse des einzelnen ab. Bei Stress, Energieproblemen, Heißhunger auf Süßes (v.a. am Abend), Einschlaf- oder Durchschlafproblemen schaue ich mir aber immer die Abstände zwischen den Mahlzeiten an.

  5. Ich habe bitte eine Frage zu der Aufstellung der Öle.
    Als Motoröl gilt Hanf, Chia, Walnuss, Raps, Avocado oder Fisch
    Bei den Benzin-Fett steht z.B. Olivenöl, Avocado
    Wo gehört jetzt die Avocado hin? Zu den Motorölen oder zu den Bezinölen?

    1. Ui, danke für den Hinweis!! Da ist uns ein kleiner Fehler unterlaufen. Es ist so: der Verhältnis von Omega 6 zu Omega 3 (=“Motoröl“) in Avocados ist super – aber sie enthalten zu wenige davon, ob in der Kategorie „Motoröl“ zu landen. Avocados enthalten überwiegend einfach ungesättigte Fettsäuren (= „Benzin), weswegen sie unbedingt in die Kategorie „Benzinfette“ gehören. Wir werden das gleich korrigieren – danke!!

  6. Nadine Lickteig

    Dann ist die Konsistenz zu Kokosfett nur die Lagerung? Palmin wird ja im Kühlregal verkauft.
    Auf jeden Fall sehr interessant, werde den Verbrauch reduzieren schon allein wegen unserer Umwelt.
    Aber zur Hautpflege bei trockener Haut ist es toll, vor allem der leichte Kokosduft ☺

    1. Gesättigte Fette werden nicht so leicht ranzig, deswegen werden sie auch oft ungekühlt gelagert (das machen auch viele bei Butterschmalz) – aber ich gebe meine Kokosöl trotzdem in den Kühlschrank, auch wenn es mir ungekühlt verkauft wird.

  7. Kokosfett ist ohne Fruchtfleisch und dazu desodoriert. Es ist geschmacklos, wohingegen Kokosöl nach Kokos schmeckt und Fruchtfleischstückchen enthalten sind.

    1. So wie wir das verstehen, ist das nicht der Unterschied zwischen „Kokosfett“ und „Kokosöl“ (denn das ist da Gleiche), sondern einfach der Unterschied zwischen verschiedenen Herstellungsmethoden – so wie bei kaltgepresstem Bio-Olivenöl und hoch verarbeiteten Industrie-Olivenöl. Leider kann man es, unserer Erfahrung nach, nicht an der unterschiedlichen Bezeichnung „Öl“ oder „Fett“ festmachen.

  8. christine Ziegler

    Der Fettschummelzettel is a Gag, da muss man sich für 7 Euro den
    Kurs kaufen. Es geht nur ums Geld.

    1. Hallo Christine,
      hat etwas mit dem Download nicht geklappt? Dann schick uns doch bitte gleich eine Email an [email protected] damit wir dir weiterhelfen können. Ja, es gibt auch einen Mini-Kurs „Fett“, aber dieser ist komplett unabhängig vom Fettschummelzettel. Der Fettschummelzettel ist kostenlos verfügbar HIER ist noch mal der Link.

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