Ist es schlimm, wenn man jeden Tag Zucker isst?

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Du nimmst dir vor, keinen Zucker zu essen – oder zumindest viiiiiiel weniger – aber irgendwie gelingt dir das nicht so super. Aber ist es wirklich so schlimm, wenn man jeden Tag Zucker isst? Oder ist es egal, wenn man insgesamt nicht mehr Kalorien zu sich nimmt?

Ein paar Fakten:
Die Weltgesundheitsorganisation WHO sagt, Zucker sollte nicht mehr als 10% deiner Kalorien ausmachen. Wenn du als Frau also sagen wir 1600 KCal pro Tag isst, dann wären das 160 KCal, das sind umgerechnet 40 g Zucker. Aber die WHO empfiehlt weiter, dass es noch besser wäre, wenn man nicht mehr als 5% der Kalorien (das wären für diese Frau 20 g Zucker) oder maximal ca 25 g Zucker pro Tag isst, weil es viele gesundheitliche Vorteile hat.

Aber wie viel ist das?
Das Problem ist nicht so sehr das kleine Stück Schokolade jeden Tag, sondern in vielen Fällen der versteckte Zucker. Also zB im Knuspermüsli, dem Fruchtjoghurt oder im Fruchtsaft – von Marmelade oder Nutella noch gar nicht zu reden. Über angeblich gesunde Lebensmittel, die mehr Zucker enthalten als sogar in Cola drin ist, habe ich schon mal hier geschrieben.
Wenn man jeden Tag eine kleine Süßigkeit essen möchte, dann wäre mal der erste Schritt, dass man den ganzen versteckten Zucker aus der restlichen Ernährung entfernt, also aus Marmelade, Fruchtjoghurts, Smoothies, Kaffee, etc. Dann könnte man sich genug “zusammensparen”, damit man dann jeden Tag eine Kleinigkeit Süßes essen könnte.

20 g Zucker sind zB in ⅓ von einer 100 g Tafel Schokolade enthalten. Oder in 40 g Gummibärchen. Das ist gar nicht so wenig! Aber dann müssten alle anderen zugesetzten Zuckerdinge komplett aus der Ernährung gestrichen werden – inklusive aller Fruchtsäfte und Honigbrote. Denn so ein Fruchtjoghurt alleine hat ja manchmal schon 20 g Zucker und damit so viel, wie man am ganzen Tag an Zucker essen sollte….

Das wäre schon mal ein guter Anfang. Aber was ich in meiner Praxis viel häufiger sehe, sind Menschen, die sich zwar vornehmen keine Süßigkeiten zu essen oder sich vornehmen, nur “ein kleines Stück” zu essen – aber dann daran scheitern und viel mehr davon essen, als sie sich eigentlich vorgenommen hätten. Und dann ist das Problem nicht, dass es gar nicht so ungesund gewesen wäre, ein bisschen Zucker zu essen – sondern eben, dass es nicht bei dem “Bisschen” bleibt.

Oder dass man eben in der Früh lieber das Honigbrot essen würde – aber dann leider am Nachmittag am Stück Kuchen oder der Schokolade nicht vorbei kommt.

Du bist eher der Typ, der etwas Salziges braucht und daher eher zu den Chips als zur Schokolade greift? Schlechte Nachrichten: das ist das Gleiche! Denn die Kartoffelstärke der Chips wird im Körper sofort in Zucker zerlegt und hat dann die exakt gleiche Wirkung wie Zucker.

Es gibt die unterschiedlichstens Gründe, warum Menschen Lust, Heißhunger oder sogar Gier auf Süßes entwickeln. Unserer Erfahrung nach hat es in den seltensten Fällen nur mit “Disziplin” zu tun. Denn es gibt viele körperliche Auslöser, die dafür sorgen, dass unser Körper ein starkes Verlangen nach Süßem (oder Salzigem, das aber auch in Zucker umgewandelt wird) signalisiert. Und wenn der Körper mal ein starkes Signal schickt, dann ist man als Mensch eigentlich recht machtlos – oder hast du schon mal versucht NICHT zu niesen, wenn du eigentlich niesen musst? Eben! Bei körperlichen Auslösern von “Zuckergier” NICHTS Süßes zu essen, ist fast genauso unmöglich.

Unsere Strategie ist daher: die Auslöser von Zuckergier identifizieren und dann eliminieren – denn dann kommt die Gier gar nicht erst auf und man kann entspannt an den Süßigkeiten vorbei gehen. Und das geht!
Denn es geht ja nicht darum, dass man NIE MEHR etwas Süßes isst. Es geht nur darum, dieses “Außer-Kontrolle-Geraten” abzustellen und das “ich wollte das nicht essen, aber ich hab trotzdem”.

Also: was löst Heißhunger aus? Und was kann man dagegen tun?

Unserer Erfahrung sind die wichtigsten Auslöser:

  • Falsches Verhältnis von Eiweiß zu Kohlenhydraten und Fett bei einer Mahlzeit
  • Unpassende Abstände zwischen den Mahlzeiten
  • Stress
  • Schlafmangel
  • Koffein (nicht bei allen – aber bei einigen, die sehr empfindlich sind)

Der Auslöser, den man am schnellsten in den Griff bekommen kann, ist das falsche Verhältnis zwischen Eiweiß, Kohlenhydraten und Fett bei den Mahlzeiten, die richtigen Abstände zwischen den Mahlzeiten, bzw. in Einzelfällen auch den Koffeinkonsum. Bei Schlafmangel kann man oft kurzfristig nicht so viel tun, auch nicht bei Stress, aber nachdem der Blutzucker auch viel damit zu tun hat, wie viel Stresshormone ausgeschüttet werden bzw. wie erholsam der Schlaf ist, kann man auch hier mit einigen Änderungen in der Ernährung viel erreichen.

Im Kurs Faustformel Zuckerfrei geht es genau darum: die körperlichen “Auslöser” abstellen, damit man die ewige Lust auf Süßes ein und für alle Mal in den Griff bekommt. Wie schon oben erwähnt geht es dabei nicht darum, dass man nie wieder etwas Süßes essen sollte oder dass einem Süßes danach nicht mehr schmeckt – sondern einzig und alleine darum, die scheinbar unkontrollierbare Lust auf Süßes abzustellen. Denn wer keine Gier auf Süßes hat, kann ganz entspannt an Süßigkeiten vorbei gehen oder sie mal im Schrank liegen lassen – und dann hat man mit einer Ernährungsumstellung, die der Beginn eines erfolgreichen Abnehmprogramms ist, auch wirklich eine Chance.

Weil das so ein wichtiges Thema ist, werde ich diese Woche noch mehr dazu schreiben – und ich bin gerade dabei, eine kurze Video-Serie zusammen zu stellen, in der ich die Details dazu genauer erkläre, zB: Wie verhindert man, dass man Fett vor allem um die Taille ansetzt? Wie stellt man die Mahlzeiten richtig zusammen? Etc. Wenn dich das interessiert, dann melde dich gleich dafür an, dann schicke ich dir die Links zu den Videos, sobald sie online sind (natürlich völlig kostenlos):
>> Zur Videoserie “Wie löst man das Zuckerproblem?”

Quelle:
WHO calls on countries to reduce sugars intake among adults and children

5 Kommentare zu „Ist es schlimm, wenn man jeden Tag Zucker isst?“

  1. Dagmar Martina Seemann

    Es würde mich freuen wenn es mir mit Ihren Tipps gelingt von der Menge an Süßigkeiten in jeglicher Form loszukommen die ich täglich konsumiere.
    Ich bin sehr schlank und gehe konsequent 3-4 mal in der Woche ins Fitnessstudio, dennoch gelingt es mir nicht auf Süßes zu verzichten und damit meine ich tatsächlich nur den Süßkram. Wenn ein Sackerl mal offen ist, dann………
    Jedenfalls freue ich mich sehr, dass ich über den Artikel gestolpert bin.
    Ganz liebe Grüße Seemann

    1. Julia Nittmann

      Liebe Dagmar!
      Wir freuen uns sehr, dass der Artikel hilfreich für dich ist. Melde dich doch auch für die Video-Serie an, da sind bestimmt noch mehr nützliche Tipps für dich dabei: http://start.faustformel.com/anmeldung-video-serie-wie-loest-man-das-zuckerproblem/
      Zum Thema „Wenn ein Sackerl mal offen ist, dann…“: Vielleicht ist es für dich besser, wenn du gar keine Süßigkeiten mehr zu Hause hast und die Ausnahmen eher außer Haus genießt – Eis im Eissalon, Kuchen in der Konditorei, Popcorn oder Süßigkeiten im Kino etc. Dann läufst du nicht Gefahr mehr bzw. öfter zu essen als du eigentlich geplant hattest.
      Liebe Grüße,
      Julia

  2. Super Artikel! Genau so mache ich es schon seit ein paar Jahren: absolut keinen versteckten Zucker, keine Fertiggerichte usw., dafür jeden Tag ein paar Ingwerzuckerl oder eine ½ Rippe 80%ige Schokolade oder mal selbstgemachten, zuckerfreien Kuchen. Funktioniert sehr gut – was anderes gibt’s eben nicht, das ist schon mein Prinzip geworden! das ist zwar nicht mal richtig Heißhunger, aber ein bisschen süß darf es schon sein – und das Leben soll ja Spaß machen, ist eh schon das ständige Lesen der Zutatenlisten anstrengend genug!

  3. 20g Zucker….da reden wir aber vom umgangssprachlichen Süßigkeitenzucker (wie oben beschrieben -Joghurts, Getränke, etc). Wie sieht es mit dem Zucker in Früchten aus? Wieviele Äpfel pro Tag sind zB OK?

    1. Julia Nittmann

      Auch wenn Obst natürlich viele positive Eigenschaften hat (liefert Mikronährstoffe, Ballaststoffe etc.) sollte man es nicht übertreiben, denn es ist trotzdem Zucker. Wir finden das 2 Handvoll (also so viel wie man gut in einer Hand halten kann) pro Tag genug sind – das wären also zum Beispiel maximal 2 Äpfel pro Tag.

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