Macht Stress dick?

Macht Stress dick?

Nach Feiertagen oder nach einem Urlaub haben viele von uns gerne das eine oder ander Kilogramm mehr auf den Rippen. Bisschen zu viel Zucker und/oder zu viel Alkohol – und schwupps hat sich da ein bisschen Fett angesammelt, das vorher nicht da war. So weit, so normal.

Wo sich aber die Spreu vom Weizen trennt, ist, was danach passiert. Denn: wie geht dieses Gewicht wieder weg?

Für viele vielleicht überraschend: die Natur hat für diese Situation vorgebaut und es scheint nach neueren Erkenntnissen so, dass der Körper mit einem “Überangebot an Nahrung” eigentlich ganz gut umgehen kann. Das reguliert sich also theoretisch von ganz alleine und man nimmt das überschüssige Gewicht eigentlich automatisch in nächster Zeit wieder ab. Aber nur theoretisch.

Denn bei dir ist das nicht so, oder? Du kennst vielleicht diese (unverschämt schlanken) Menschen, die sich schon zu Weihnachten keine Gedanken über die Kekse zu machen scheinen und entspannt alles essen, worauf sie Lust haben. Wenn sie überhaupt deswegen zunehmen, dann scheint das auch wieder irgendwie von selbst wieder wegzugehen – zumindest macht sich die Person keine großen Gedanken darüber und irgendwie sind die auch immer schlank. Eigentlich eine Frechheit.

Aber so sollte es sein! Dafür ist dein Körper eigentlich gebaut. Also was führt dazu, dass manche ganz automatisch wieder abnehmen – aber andere nicht?

Es haben auch Studien gezeigt, dass es eben nicht ganz so einfach ist – dass man “einfach mehr Bewegung macht und weniger isst”. Ja, Studien haben gezeigt, dass Ernährung und Sport zwar effektive Maßnahmen sind, um abzunehmen – aber da gibt es immer noch unerklärte Einflüsse auf die Veränderung der Körperzusammensetzung (wie viel magere Körpermasse man hat und wie viel Fett oder Muskeln man während einer “Diät” verliert), die sich nicht einfach über die Zusammensetzung der Ernährung oder des Sportprogramms erklären lassen.

Interessant ist auch, dass inzwischen bei einige Tierrassen, sowohl Haustier- als auch Wildtierrassen, Übergewicht gemessen wurde – und zwar über die letzten Jahrzehnte, bei ganzen Generationen, stetig steigend. Bei den Haustieren kann man das ganz leicht “weg erklären”, in dem man das auf die Zusammensetzung des Futters und die fehlenden Bewegung schiebt. Aber bei Wildtieren? Warum werden Wildtiere plötzlich zu dick? Dabei ist es für Wildtiere in der Natur fast unmöglich übergewichtig zu werden – sagen zumindest Zoologen – aber plötzlich werden Wildtiere überall dicker. Auch Zoo- und Labortiere mit wissenschaftlich und sehr sorgfältig zusammengesetzten Futterrationen sind in den letzten Jahrzehnten immer dicker und dicker geworden – was ist da los?

Was sicher zu sein scheint: wir können es nicht länger einfach auf die alt bewährte (aber immer schon zu vereinfachte) “Kalorie rein – Kalorie raus”-Theorie schieben, wenn wir zunehmen.  Und es hat auch nichts mit Disziplin zu tun (denn Labortiere müssen keinen Versuchungen widerstehen und haben die immer gleiche Kalorien- und Bewegungsmenge).

Wenn also das nächste Mal jemand sagt: “dann musst halt bissl weniger essen und dich ein bisschen mehr bewegen, dann nimmst schon ab” – dann kannst du ihn getrost ignorieren (oder auf diesen Artikel verweisen, in dem gezeigt wurde, dass das “ein bisschen” überhaupt nicht funktioniert).

Warum werden viele von uns also immer dicker? Und vor allem: wie kann das sogar bei Tieren passieren?

Die richtige Antwort hat wahrscheinlich im Moment noch niemand, aber es gibt Theorien:

  1. Verändertes Mikrobiom – also unser Darmflora
  2. Pathogene – also ein Virus (dann wäre Übergewicht ansteckend 🙂 )
  3. Umweltgifte, die unsere Hormone stören (zB Weichmacher im Plastik)
  4. Stress

Nach heutigem Wissensstand haben alle 4 Aspekte einen Einfluss auf unseren Körper – und unser Gewicht. Aber Stress alleine hat einen nicht zu unterschätzenden Einfluss – und es ist der Aspekt, den wir am schnellsten und einfachsten “reparieren” können.

Wenn wir “gestresst” sind, dann verwendet der Körper die gleichen Kalorien ganz anders – anstatt sie als Energie zu verbrennen, speichert er sie als Fett – besonders gerne um die Taille. Wir wissen heute, dass so einfache Dinge wie Schlafmangel oder zu viel künstliches Licht die Stresshormone im Körper erhöhen – und zu Übergewicht führen.

Einer der größten Stressfaktoren wird dabei oft übersehen: die Ernährung selber. Denn wie man die Ernährung zusammenstellt hat großen Einfluss darauf, wie viel Stresshormone der Körper ausschüttet – und damit auch, ob man die Nahrung in Energie oder in Fett umwandelt. Das hat nichts damit zu tun, dass man weniger isst – sondern nur, was man wann isst.

Der erste, wichtige Schritt, um den Einfluss von Stress auf seinen Körper zu reduzieren (und damit von “Fettspeicherung” auf “Fettverbrennung” zu polen) ist es, den Blutzuckerspiegel und die Insulinausschüttung in den Griff zu bekommen und damit die Cortisolproduktion (unser wichtigstes Stresshormon) in normale Bahnen zu bringen:

Das heißt also:

    1. Immer frühstücken. Aber um die Cortisolproduktion nicht zu stören, sollte das Frühstück eher eiweißlastig sein und weniger Kohlenhydrate enthalten.
    2. Zu jeder Mahlzeit Eiweiß essen. Als Zwischenmahlzeit könnte das zB eine Handvoll Nüsse sein (liefert zusätzlich gute Fette und Mineralien). Achtung: Nüsse bitte möglichst immer vorher einweichen – wenn möglich mit einer Prise Salz im Wasser.
    3. Fruchtzucker reduzieren. Ein oder zwei Stück  Obst im Ganzen oder eine Handvoll Beeren pro Tag sind völlig okay, aber Finger weg von Fruchtsäften und Obstsmoothies.
    4. Regelmäßig essen und keine zu großen Abstände zwischen den Mahlzeiten.
    5. Am Abend die Kohlenhydrat-Zufuhr (im Vergleich zum Frühstück) leicht erhöhen – ca eine Faustgröße (aber keinen Zucker). Ja, das ist das Gegenteil von “keine Kohlenhydrate am Abend”. Ganz bewusst und sehr absichtlich – und mit gutem Grund, denn Kohlenhydrate am Abend helfen den Cortisolspiegel zu senken.
    6. Kein Alkohol (zumindest nicht jeden Tag oder mehrmals pro Woche).

Das sind die ersten, wichtigen Schritte – aber es gibt noch eine Unzahl weiterer, einfacher Strategien, wie man den Einfluss von Stress auf unsere Körper minimieren kann und wieder “einfach automatisch” abnehmen kann, wie es die Natur eigentlich vorgesehen hätte.

Mir geht es dabei nie darum, dein Leben zu “verkleinern”, also nie darum, dir zu sagen: “Mensch, du bist so gestresst, du musst dich schonen und einfach weniger tun”. Mir geht es im Gegenteil darum, dir dabei zu helfen, die Energie zu haben, die du brauchst, um dein Leben so zu leben, wie du es möchtest – ohne, dass dein Körper darunter leidet.

Stress ist auch ein großes Thema im neuen Privatkurs “Setpoint Reset”, der im Januar startet. Der ist leider schon völlig ausgebucht – aber wenn er gut ankommt, werde ich ihn sicher bald wiederholen. Wenn du dich für unseren Newsletter anmeldest, dann bekommst du Bescheid, sobald es wieder Plätze gibt.

Quellen:
https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/16526835
http://sciencenordic.com/can-wild-animals-become-overweight
http://www.livescience.com/10277-obesity-rise-animals.html
http://www.nejm.org/doi/full/10.1056/NEJMsa1208051#t=article

5 Kommentare zu „Macht Stress dick?“

  1. Hallo,

    zu dem Satz: „Regelmäßig essen und keine zu großen Abstände zwischen den Mahlzeiten“….
    das finde ich besonders spannend, denn das Intervallfasten soll ja grundsätzlich gut beim Abnehmen helfen, da ich nicht gerne frühstücke, schaffe ich das gut mit 16/8 fasten und auch wenn ich mal über die Strenge schlage, nehme ich zumindest nicht zu. Würde ich jede Mahlzeit essen, würde ich immer dicker werden. Ich habe seit 15 Jahren Hashimoto – und seit ich über 40 bin, schaffe ich es mit dem Abnehmen überhaupt nicht mehr.

    LG
    Manuela

    1. Vor 2 Jahren hätte ich auch noch etwas ähnliches gesagt (und ich glaube, da gibt es auch noch den einen oder anderen alten Blogartikel, wo ich das als „Urlaubsstrategie“ empfehle). Aber inzwischen hat man festgestellt, dass 16:8 bei Frauen den Cortisolspiegel (=Stresshormone) erhöhen kann, was wiederum das Abnehmen erschwert und vor allem zu Bauchfett beiträgt. Bei den allermeisten Frauen funktioniert das nicht lange. Ich nehme an, dass du in den 8 Stunden keine 3 vollständigen, hochwertige, frisch gekochte Mahlzeiten hast – aber wenn man auch seltener isst, kann es auch zu einer nicht-optimalen Versorgung mit Nährstoffen kommen, was auch deiner Schilddrüse nicht hilft. Da beißt sich dann die Katze ganz schnell in den Schwanz, weil dann der Körper in den Sparmodus rutscht, was wiederum die Schilddrüse weiter „runterfährt“, was dich müder etc macht und das Abnehmen weiter erschwert etc etc. Man kann auch mit Hashimoto’s ziemlich problemlos abnehmen (wir haben viele Teilnehmerinnen damit in unseren Programmen), aber ich würde vor allem darauf achten, dass dein Körper AUSREICHEND mit Nährstoffen versorgt wird und du auch die Stresshormone normalisierst. Es ist SEHR schwierig, alle Nährstoffe, die der Körper braucht in nur zwei Mahlzeiten unterzubringen – aber die meisten, die 16.( machen, essen nicht öfter. Für Hashimoto’s würde ich mir außerdem entzündliche Prozesse im Körper anschauen und auf ausreichend Selen, Eisen aber auch Jod (Jod ist bisschen individuell, zuerst Selen optimieren) achten.

  2. leider treffen alle 4 Punkte bei mir zur Zeit zu.
    1. Darmentzündung (leaky gut)
    2. ständig Virusinfekte (zb Herpes)3
    3. im Blut nachgewiesene Umweltgifte (Plastik, Feinstaub usw..)
    4. Stress zur zeit als Bilanzbuchhalterin 🙁
    Macht sich auf der Fettmesswaage bemerkbar.. die Prozente steigen täglich trotz regelmäßigen Sport lt. Sportordination

    1. Dann würde ich ganz kleine Schritte machen und deinen Körper nach und nach mit besseren Nährstoffen unterstützen – denn mehr wird in dieser stressigen Phase nicht drin sein, aber ohne Unterstützung ist es für den Körper auch schwierig das durchzustehen. Beim Sport würde ich mir anschauen, ob er derzeit mehr Stress für dich ist oder dir mehr Energie und Kraft gibt – denn zu viel Sport wenn man sehr gestresst ist, ist nicht hilfreich. Zum Abnehmen wird Sport total überbewertet (er ist wichtig für unsere Gesundheit, aber hilft beim Abnehmen nur sehr minimal) und kann sogar kontraproduktiv sein, wenn er die Stresshormone erhöht (weil du zu viel Cardio machst oder weil es derzeit einfach zu viel für dich ist). Vielleicht wäre ja mein Privatkurs „Setpoint“ etwas für dich? Da geht es nämlich um kleine, praktikable Schritte. Wir setzen gerade den neuen Termin fest, vermutlich wird er Anfang März starten. Wenn du für unseren Newsletter angemeldet bist, bekommst du automatisch Bescheid, sobald man sich anmelden kann.

  3. Elisabeth Baumann

    Danke . Ja das hab ich gehofft das sich das wieder mit dem Gewicht einspielt aber jetzt haben sich gute 3 kg mehr eingeschlichen. Ich versuch jetzt wieder mit 1x in der Woche in einer Gruppe zu turnen und einmal ich zu hause… obwohl in der Gruppe iistes besser.
    Mit dem Essen da schau ich e.

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